Dienstag, 29. November 2016

Wie ich den Weihnachtsbaum gerettet habe


Ich berichte euch heute eigentlich nichts Epochales, doch fand ich es bemerkenswert, welche Reaktionen es auf das Verschwinden des Weihnachtsbaums im Krankenhaus Eisenhüttenstadt gab. Vielleicht steckt doch mehr Abendland in uns allen, als wir es selbst denken.

Schon oft habe ich bemerkt, Weihnachten ist eine Farce geworden, der Kapitalismus hat aus uns und unseren Erben Konsumhuren gemacht. Deswegen messe ich Weihnachtsbäumen im öffentlichen Raum auch nur eine nebenrangige Bedeutung bei, auch wenn ich zu Hause selbst immer einen besonders schönes und prachtvolles Exemplar aufstelle. Einfach nur fürs Auge und weil eben Weihnachten ist.

Deswegen nahm ich auch den im Krankenhaus aufgestellten Weihnachtsbaum vermutlich nur nebenher wahr. Dieses eher kleine und kümmerliche Exemplar, das jedoch so viel Symbolkraft ausstrahlt. Doch ab heute sehe ich das anders.

Zur Zeit bin ich im Krankenhaus wegen eines Unfalls im Juni 2016. In einer Sitzecke für Besucher fristet ein eher bescheidender, künstlicher Weihnachtsbaum mit elektrischer Beleuchtung sein Dasein.

Nun lief mir im Fahrstuhl eine wirklich verärgerte alte Dame über den Weg, die berichtete, dass unser Weihnachtsbaum auf der Station, der Chirurgie/Traumatologie wieder abgebaut wurde. Sie bemerkte, man solle sich schriftlich beschweren und zwar jeder Patient. Denn Ärger merkte man ihr an, sie leitet vom Symbol des Weihnachtsfestes wirklich etwas wie Weihnachtsstimmung her. Auch waren andere Patienten sehr erregt und sichtlich verärgert.

Also dachte ich mir, als fleißiger Internet-Blogger will ich es genauer wissen, was hier los ist und der Sache auf den Grund gehen. Ich fragte die Schwestern und auch diese waren eher sauer und bemerkten, es sei wohl eine Anweisung der Geschäftsleitung. Ich fragte mich, was diese absurde Anweisung soll, also ging ich schnurstracks in die Verwaltung und erwischte auch den Geschäftsführer. Der gab mir freundlich Auskunft, dass er mit Sicherheit nicht für diese Anweisung verantwortlich ist, aber er sich schnell kümmern werde. Er wies auf seinen eigenen kleinen Weihnachtsbaum hin uns erklärte, warum sollte ich das denn verbieten?

Es passierte auch tatsächlich etwas, innerhalb kürzester Frist lag eine Dienstanweisung vor, dass die Weihnachtsbäume stehen bleiben, beziehungsweise wieder aufgestellt werden. Angeblich war wohl seine Frau, ebenfalls in der Geschäftsleitung, der Urheber der Weihnachtsbaum Entfernung, wegen der Hygiene. Genau werden wir es nie erfahren, ist auch nicht so wichtig. Denn ob dort wieder unreflektiertes Gutmenschentum wütet oder die Intoleranz anderer Religionen oder tatsächliche die Hygiene, am Ende war alles gut. Und weder Pegida noch AfD musste einschreiten, um unsere Werte zu verteidigen. Es rechte etwas Zivilcourage um zu fragen.

Interessanter waren die Reaktionen. Einige Schwestern bedankten sich, eine Schwester sagte „Sie sind der Patient des Monats, weil sie unsere Weihnachtsbäume gerettet haben.“ Heute ging das glatt weiter so, sogar die Oberärztin bedankte sich, das ich sofort bei der Geschäftsleitung erschienen bin, denn Weihnachten ohne Weihnachtsbaum, das geht eben nicht. Ob im Fahrstuhl oder der Cafeteria, überall bedankten sich die Leute. Es war mir schon etwas peinlich, allerdings muss ich sagen, solche Kleinigkeiten zweigen, das die Menschen unseren alten christlichen Symbolen im Abendland offensichtlich verwachsener sind, als es oft erscheint. Ein klein wenig mag ich Weihnachten nun wieder mehr, auch wenn das unfreiwillige „Heldentum“ nicht meine Art ist, doch wenn man Freude spenden kann, dann soll man es tun. Insbesondere, wenn es nur ein paar Worte sind, die man wechseln muss, um Missverständnisse zu klären.

George W. Lästerbacke