Sonntag, 20. Februar 2011

Kaufen für die Müllhalde.

Irrsinn mit System


Glühbirnen, Nylonstrümpfe, Drucker, Mobiltelefone - bei den meisten dieser Produkte ist das Abnutzungsdatum bereits geplant. Die Verbraucher sollen veranlasst werden, lieber einen neuen Artikel zu kaufen, als den defekten reparieren zu lassen. Die bewusste Verkürzung der Lebensdauer eines Industrieerzeugnisses, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, nennt man "geplante Obsoleszenz". Bereits 1928 schrieb eine Werbezeitschrift unumwunden: "Ein Artikel, der sich nicht abnutzt, ist eine Tragödie fürs Geschäft".
Gestützt auf mehr als drei Jahre dauernde Recherchen, erzählt die Dokumentation die Geschichte der geplanten Obsoleszenz. Sie beginnt in den 20er Jahren mit der Schaffung eines Kartells, das die Lebensdauer von Glühbirnen begrenzt, und gewinnt in den 50er Jahren mit der Entstehung der Konsumgesellschaft weiter an Boden.
Heute wollen sich viele Verbraucher nicht mehr mit diesem System abfinden. Als Beispiel für dessen verheerende Umweltfolgen zeigt die Dokumentation die riesigen Elektroschrottdeponien im Umkreis der ghanaischen Hauptstadt Accra. Neben diesem schonungslosen Blick auf die Wegwerfgesellschaft stellt Filmemacherin Cosima Dannoritzer auch die Lösungsansätze von Unternehmern vor, die alternative Produktionsweisen entwickeln. Und Intellektuelle mahnen an, die Technik möge sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückbesinnen, auf die dauerhafte Erleichterung des Alltags ohne gleichzeitige Verwüstung des Planeten. (*Quelle Arte Kommentar zur gleichnamigen Sendung, link in der Überschrift )

Mein Kommentar dazu:

Arte verbreitet in diesen Fall nichts Neues. Das Problem ist jeden Nutzer aus dem Alltag bekannt.

Ein beenden dieser Praktiken würde uns sicher Allen nützen, doch würde es uns auch gefallen? Die Frage ist, sind wir noch bereit, die Folgen einer derartigen neuen Kontinuität in der Haltbarkeit von Produkten zu akzeptieren? Die neue Strategie wäre, Produkte halten unheimlich lange.
Der TV meiner Eltern ging nach 20 Jahren kaputt, die Waschmaschine brauchte bis zu ihrer Verschleißgrenze ebenfalls 20 Jahre, mein erstes Handy von Siemens tat 5 Jahre seinen Dienst. Mein erster Canon Drucker funktionierte 11 Jahre. Positive Effekte, gewohnt bewährt, das mögen wir.

Doch gleichzeitig verzichten wir auf die heute so geliebten technischen Quantensprünge. Wollen wir das? Ich habe in den letzten 20 Jahren 13 Handys, 4 TV Geräte und 5 Waschmaschinen verschissen. Oft schimpfte ich darüber, mochte aber auch die neuen, scheinbar besseren technischen Möglichkeiten. Ich hätte Sie diese technischen Möglichkeiten nicht, ohne dieses eingebaute Verfallsdatum. Jetzt wachsen Generationen von Hardcore Konsum Junkies ins Kraut. Was sagen die, wenn Ihre Handys, Flachbild TV und Anderes, ewig halten?

Die Wegwerf Kultur ist in der Masse längst implantiert. Die neo-liberale Idee vom endlosen Wachstum funktioniert nur mit Verfallsdatum und dem uns anerzogenen Konsumverhalten.

Eine aus dem Wegfall des Verfallsdatums und die längere Werthaltigkeit von Produkten orientierte Gesellschaft würde endschleunig und alle eher positiven Effekte wie die Reduktion von Müll und die Freude des Konsumenten an einen funktionalen, langlebigen Gerät, das fände in der Masse doch kaum Zuspruch.
Die Masse der Konsumenten setzt auf billig und neu. Die Masse zu sehr verblödet worden, mit dem „Geiz ist Geil“ Syndrom und das Neuste ist Lebensqualität, um zu verstehen, das man sich wirklich Lebensqualität zurückholt könnte. Vom vermutlich brutalst, möglichen Widerstand der Wirtschaftslobby, will ich gar nicht erst reden. Diese würden den Untergang des Abendlandes herbei beten.

Der Beweis ist doch, wäre die Masse verständig und intelligent genug vernünftig zu reflektieren, dann würde Sie doch echte deutsche Produkte kaufen, um Arbeit in Deutschland zu sichern und letztlich, sich selbst die Arbeit zu erhalten. Doch ist dem so? Nein, Asien liefert deutsche Kleidung, Elektronik und andere Konsumgüter. Dort, wo im Moment noch die Armen für wenig Geld und viel Profit produzieren, kommt unser scheinbarer Reichtum her. Und es interessiert Viele nicht mal, das sehr viele Produktionsstandorte Deutschlands Geschichte sind. Nur wenn sie selbst betroffen sind, dann fängt das Wehklagen an.

Der kurzfristige Spareffekt ist dem Verbraucher wichtiger ist, als darüber nachzudenken, was er sich selbst mit dem verweigern der heimischen Qualitätsprodukte angetan hat. Nicht das Kapital und die Wirtschaft hat die Globalisierung ermöglicht, sondern die "Geiz ist Geil" Mentalität.
Das Kapital hat nur auf den Trend reagiert und fleißig mit kreiert. Man setzt heute in der Wirtschaft auf Profitmaximierung durch Verfallsdaten und Produktion in Dumpinglohn Ländern ein völlig normales wirtschaftliches Verhalten.

Diese Tendenzen zeigen, der Mensch hat die Sicht und das Gefühl für sich selbst und seine Bedürfnisse verloren. Eine Umkehr dieser Trends würde bedeuten, die Uhr um Jahrzehnte zurückzudrehen, in Sachen Konsum. Besondere in den Köpfen der Konsumenten. Das erscheint mir wenig realistisch.