Freitag, 3. Oktober 2014

Tag der Einheit in Deutschland


Ein Volk freut sich endlich wieder eins zu sein. Ein verständlicher Wunsch und eine unerfüllte Sehnsucht, bis 1990. Doch wenn man sich mal sehr sachlich mit dem Thema auseinandersetzt, dann könnte man auch sagen, dass sehr viele Menschen heute, die alte Weisheit im Kopf haben “Überlege dir gut, was du dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen.“.

Sachlich betrachtet, vermissen viele Menschen in der Ex-DDR heute, die soziale Sicherheit, die DDR wird romantisiert. Doch es ist, wie mit allem im Leben, wo Hell ist, da ist auch Dunkel. In einem direkten Vergleich von Heute und Gestern, ist schwer zu bestimmen, wie eine realistische Bewertung der DDR ausfallen würde. Es ist eine Frage des Blickwinkels. In Sachen Demokratie, würde die DDR sicher schlecht abschneiden, in Sachen Wirtschaft gingen die meisten Punkte wohl auch an die BRD von 1989. In Punkto soziale Sicherheit hingegen, da bin ich sicher, hätte die DDR die Nase vorn.

Ein kubanischer Freund besuchte mich vor zwei Jahren und fragte mich am Ende seines Aufenthaltes „Was ist eigentlich mit dem Menschen hier passiert, sie waren immer so offen, gastfreundlich und glücklich. Heute spürt man so eine Kälte, als ob man in ein fremdes Land kommt. Immer hin hat er hier, in Ostdeutschland fünfundzwanzig Jahre seines Lebens verbracht. Wurde aber nie eingebürgert, weil dazu einfach keine Notwendigkeit bestand. Er war sozusagen ein DDR-Gastarbeiter mit Aufenthaltsstatus bis Ultimo. Bald nach der Wende, wurde nach Kuba abgeschoben. Doch er hat gelernt, die ostdeutsche Mentalität zu verstehen. Und er bemerkte auch schnell, das diese Mentalität ausstarb. Ich hatte nur eine Antwort, die Menschen haben gemerkt, was es heißt, die soziale Sicherheit zu verlieren. Früher war es keine Frage, das man seine Wohnung, seinen Strom und das Essen immer bezahlen konnte. Früher war es die Regel, das eine ostdeutsche Familie, oft mal zum Essen ein Restaurant besuchte, ins Kino ging, Baden fuhr, Urlaub machte. Alles das waren Selbstverständlichkeiten, das konnte man sich leisten. Das Leben war geordnet, Behördensachen wurden meistens von Vater Staat geregelt, großer Papierkram, war die Ausnahme. Die Arbeit war sicher und die verschwindende Minderheit, die keine Lust zum arbeiten hatte, die wurde irgendwie mit geschliffen. Jedoch wurden sie auch mit Sanktionen belegt. So gesagt, es war Ruhe im Land.

Dafür nahm man in Kauf, das man so einige Dinge besser nur hinter vorgehaltener Hand sagte, weil Mielkes Stasi Brut, fein säuberlich im Land verteilt war. Allerdings wird auch dieser Sachverhalt, oft übertrieben dargestellt. Es gab auch genug Möglichkeiten sich aktiv an der Meinungsbildung und Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen. Doch es ist, wie in der Demokratie, viele schwiegen, die besser ihren Mund aufgemacht hätten. Ich persönlich war immer ein Freund klarer Worte und manchmal auch unbequem. Doch ich wusste, wenn man etwas erreichen möchte, redet man zuerst mit den richtigen Leuten. Man geht zu Entscheidungträgern, trägt sein Anliegen vor und wenn sie Handlungsbedarf sehen, dann passiert auch etwas. Ich konnte einige Dinge verändern, ohne dass, die Stasi mir die Tür eingetreten hätte. Es war möglich Positives zu bewirken, auch bei Dingen, wo man gesagt hätte, da traue ich mich nicht ran. Dieses "Da traue ich mich nicht ran, das Thema ist mir zu heiß." genau dieser Umstand, das Duckmäusertum vieler Bürger und die Obrikeithörigkeit vieler Bürge verhindert in jedem Gesellschaftssystem Änderungen. Ob in einem sozialistischen, oder einem kapitalistischen Staat. Am Biertisch, da ist es leicht zu nörgel, ändert aber rein gar nichts.

Die Stasi hatte etwa 170.000 Mitarbeiter, die Hauptamtlichen und die sogenannten IMs. Also statistisch gesehen, kamen auf 1000 DDR-Bürger 10 dieser Subjekte. Ich denke mir, das die Stasi flächendeckend präsent war, das kann man in das Land der Legenden verbannen. Sie war an den Brennpunkten, die der Staat festlegte präsent. Die nebenberuflichen Schnüffler, die unbeliebt waren, aber auch oft unerkannt blieben, die waren schon übel. Diese “Hobbyschnüffler“, waren oft auch Gesinnungstäter, also wirklich die Schlimmsten, der Schlimmen. Diese setzten einigen aufrechten Menschen im Land die, die Verhältnisse in der DDR kritisierten, böse zu. Der Arm der Fraktion “Die Partei hat immer recht.“ war lang. Über skandalöse Prozesse und völlig ungerechtfertigte Urteile, bis zu übelsten Schikanen gegenüber sogenannten Oppositionellen, die eigentlich nur den Staat positiv verändern wollten, braucht man nicht diskutieren und nichts beschönigen. Von Inhaftierung über Hausarrest, Berufsverbot und Ausweisung in die BRD war alles möglich. Psychologischer Terror war eine Waffe. Diese Vorfälle gab es, und sie waren absolut falsche Auswüchse eines sozialistischen Systems.

Das einige dieser System-Günstlinge und auch Mitläufer, dafür zur Rechenschaft gezogen wurden, war richtig. Doch, noch viel mehr dieser verblendeten Menschen, als gut ist, wurden von Strafe verschont. Nicht anders, wie es mit der Entnazifizierung 1945 war. Sie wüten heute noch in Deutschland und streuen nun ihr undemokratischen Weltsichten, in ein heuchlerisches kapitalistisches System, das noch weniger humanistisch Werte hat, als die sozialistische Soft Variante einer Diktatur. Wie sie die DDR Führung lebte.

Beim Zusammenbruch der DDR konnte man erleben, dass die Diktatur friedlich aus dem Land gejagt wurde. Es wurde nicht geschossen, es starben keine Menschen. Ein paar hunderttausend Menschen reichten auf der Straße, um das sozialistische System, das sich durch seine offiziellen Vertreter unglaubwürdig machte, zu Fall zu bringen. Eine echte Diktatur hätte auf die Hunderttausenden auf der Straße schießen lassen. Hier waren es eher verblendete “Gutmenschen“ der sozialistischen Fraktion, die am Ende, die nicht verstanden haben, was sie denn falsch gemacht haben. Alte und verknöcherte Rudimente der Geschichte.

Auch die Oppositionellen in der DDR hatten nicht im Sinn, sofort die DDR aufzulösen. Sie wollten eine bestehende soziale, sozialistische Gesellschaft umbauen und demokratisieren. Sie wollten zusammen mit der BRD auf Augenhöhe eine Nation werden, die langsam zusammenwächst. Keine Wiedervereinigung, in der Art einer feindlichen Übernahme, wie in der Wirtschaft. Aber genau das ist passiert. Indem man die Volksmassen in der BRD und der DDR täuschte, was denn auf sie zukommen würde. Es wurde in der Politik gelogen, betrogen und völlig falsche Bewertungen getroffen.

1. Realität waren als ein Beispiel die Staatsschulden. Die DDR (bei ca 17 mio Einwohnern) war mit etwa 80 Mrd. DM verschuldet. Die BRD (bei ca 62 mio Einwohnern) mit 900 Mrd. DM. Offiziell wurde behauptet, die DDR war pleite. Die Zahlen sagen etwas anderes.

2. Die DDR Wirtschaft war marode, dies stimmt in Teilbereichen. Doch Fakt ist hunderttausende Betriebe waren es nicht. Sie wurden von der Treuhand platt gemacht. Verhökert für symbolische Kaufpreise. Die Zahlen der Schäden durch Wiedervereinigungskriminalität belaufen sich auf über eine Billionen Mark. In der Hauptsache verantwortet von einer CDU Bundesregierung und ihrer Treuhand. Wobei Untreuhand sicher der bessere Begriff gewesen wäre.

3. Die BRD Sozialsysteme wurden mit Millionen von DDR Arbeitnehmern belastet, deren Arbeitsstellen vernichtet wurden,
obwohl sie mit gewollter Kompetenz hätten gerettet werden können.

Drei von vielen Fakten, die nicht abzustreiten sind, 25 Jahre später, nachdem neben den Legenden, auch die Wahrheit klar geworden ist.

Der deutsche Bürger wurde in beiden Ländern getäuscht. Es hat hauch Niemand dem Volk gesagt, das es zwar eine Sprache spricht, doch sich längst soweit von einander entfernt hatte, das man von zwei Völkern reden konnte. Völlig andere Wertsysteme verändern den Menschen. Niemand hat gesagt, das es Zeit braucht, wieder ein Volk zu werden, weil es Niemand hören wollte. Das ist auch ein Fakt.

Es ist ein Feiertag der Heuchler, das Volk hat nur einen freien Arbeitstag. Trotzdem hoffe ich, das aus einem heute noch verwirrten Volk, einstmals wieder eine tatsächliche Nation wird, die ein bisschen weniger Kapitalismus und ein wenig mehr Sozialismus leben kann. Denn dass ist es, was beide Völker heute brauchen und wohl auch wollten.

Die soziale Marktwirtschaft, die es einst in der BRD gab, ist so gut wie tot. Bauen wir darauf, das ein neues vereinigtes Deutschland, nach Jahrzehnten die Kraft findet, dies soziale Marktwirtschaft in dem gemeinsamen, wiedervereinten Land zu retten.

George W. Lästerbacke