Donnerstag, 28. Juni 2012

Die Party

Ein erster literarischer Ausflug in das Genre Horror oder das Sureales. Mal sehen ob ihr es mögt liebe Freunde.Ich glaub der sogenannte rote Faden der Geschichte ist zu erkennen und ihr könnt den eigentlichen Sinn verstehen.

Part I.

Die Frau
Ein völlig zerstörter Kopf lag in einem schwammigen, deformierten Zustand vor mir auf dem Tresen. Das verklebte blonde Haar, die einst wundervollen blauen Augen zugeschwollen, der rote Kirschmund aufgeplatzt. In Anfällen rasender Wut hatte ich auf diese Kopf eingeschlagen, wieder und wieder. Das hübsche Gesicht zerstört, bis mir das Blut die Hände verklebte und ich widerwillig die Toilette aufsuchte. Einen kleiner Jungen, vielleicht neun Jahre starrte mich mit seinen großen blauen Augen an, die Neugier und Furcht widerspiegelten. Er fragte mich nach meinem Namen, ich antwortete nicht, zwang ihn mir die mit Blut verklebten Hände zu waschen. In dem unschuldigen Blick lag Angst, nackte Verzweiflung und nicht verstehen. Er wollte fliehen, da packte ich ihn am Hals, drehte sein Gesicht zum Spiegel und schüttete ihm den Rest von meines Drinks über den kleinen Kopf. Sein Schreien hallte von den Wänden, ein hohles Echo im Raum, kam irgendwo her und verschwand. Er sah mich im Spiegel noch kurz an, ein letzter Funken Leben, ein weinerliches Flehen. Ich würgte ihn noch, da war er schon längst tot, ich hatte es nur nicht gemerkt. Sein Kopf, der rote, von Würgemalen gezeichnete Hals lag auf den Fliesen. Ich spülte ihn die Toilette herunter, nahm etwas von dem Kokain und ging wieder zum Spiegel. Ich wusch mir die Hände, das Gesicht, trocknete mich und fand, ich sah wirklich gut aus. Wallendes blondes Haar, leuchtende blaue Augen, knallroter Kirschmund. Grinsend wankte ich zur Tanzfläche und verbrachte eine lustige, wenn auch etwas bizarre Nacht.

Part II.

Der unbekannte Mann
Als ich durch die Tür trat, in das kleine unscheinbare Tanzlokal betrat, schien es, als trete ich aus der realen Welt. Der Dunst von Schweiß, Tabak und Alkohol nahm mir für Augenblicke den Atem.
Die Zeit stand still, den Moment eines Wimpernschlages. Dann war das Leben wieder im Fluss, das Lachen der Trinker, das Stimmgewirr, der Klang der Gläser, die zusammenschlugen, während die blonde, langbeinige Bedienung die Tische abräumte. Die Melodien des Mannes am Klavier. Normalität einer Samstagnacht.
Wäre mir die wütende, junge, schlanken Frau am Tresen nicht aufgefallen, die immer wieder auf einen, auf dem Tresen liegenden Kopf einschlug. Blutverschmiert und voller Wut. Das Surreale dieser Situation wurde mir gar nicht bewusst. Ich konnte keinen Körper zu dem Kopf sehen, dass irritierte mich auch nicht. Nur diese ungezügelte Wut der aufreizenden Blondine faszinierte mich.
Plötzlich ließ Sie unvermittelt, von dem schon völlig zerstörten, zerquetschten, malträtierten nur noch von Haut und Haaren zusammengehaltenen Kopf ab. Der scheinbar verständnislos aus toten Augen in den Spiegel des Tresens starrte. Sie wandte sich ab, griff sich ihren Drink und warf mir im laufen, über die Schulter, einen aufreizenden Blick zu. Sie schwankte leicht, als sie in der Toilettentür verschwand, schlafwandlerisch folgte ich ihr.
Ich öffnete die Toilettentür, auf dem langgezogenen Gang zu den Waschbecken stand ein kleiner Junge, er starrte Sie an, neugierig und voller Furcht. Gebannt verharrte sein Blick auf ihren Körper, der verschwitzt, blutverschmiert und schwer atmend für Sekunden inne zuhalten schien. Es war, als sinniere sie im Geist über Tod oder Leben. Ich hörte ihn mit zittriger Stimme fragen „Wie heißt du?“ Keine Antwort, doch plötzlich mit der Geschwindigkeit einer Gottesanbeterin, ergriff sie den Jungen, zog ihn an den Haaren zu dem Waschbecken und zwang ihn, ihre Hände zu waschen. Sein Blick streifte mich, Unschuld und Verzweiflung lagen darin, während er ihre Hände wusch. Er wusch erst die rechte Hand, dann die Linke, fast zärtlich wirkte die Szene. Er ließ diese wunderschönen Hände, wie zum Zeichen, dass er gehen wollte demonstrativ los. Sein Versuch sich abzuwenden, katzenartig zur Flucht ansetzend scheiterte, ihr konnte man nicht entkommen. Sie packte ihn am Hals, hielt sein Gesicht vor den Spiegel und kippte ihm den Drink über den Kopf.
Er schrie, doch der Schrei verhallte ungehört zwischen den Welten. Sie würgte Ihn noch, als man erkannte, das kein Leben mehr in seinen kleinen Körper war. Ich sah plötzlich nicht mehr den Jungen, nur diesen vom würgen geröteten Hals auf den Fliesen. Wie ein Stück Papierhandtuch hob sie ihn auf und warf den Hals in die porzellane Toilette. Das Geräusch des Wassers, das einem Wasserfall gleich, den Hals in die Unterwelt der Stadt spülte, spülte auch meine Gedanken in die Schwärze der Kanalisation.
Sie wandte sich ab, hin zum Waschbecken, schüttete ein weißes Pulver auf den Waschtisch und zog eine Linie Kokain, dass mir in der Szenerie, bis eben nicht aufgefallen war. Ein prüfender Blick in den Spiegel, nochmals die Hände gewaschen, trocknete Sie sich ab und sah sichtlich zufrieden aus. Ihre attraktive, aufreizende Erscheinung dominierte den Raum, nicht ihr Handeln.
Sie kam grinsend auf mich zu, betrunken wirkend und lief durch mich durch. Ich spürte Sie noch in mir, als Sie schon längst wieder auf der Tanzfläche schlangenartig die Musik lebte. Ich blieb, es war eine bizarre, aber lustige Nacht. Ich sollte dass mit den Drogen unbedingt sein lassen.

Part III.

Der kleine Junge
Ich erinnere mich an die Tür zu der Party, auf die ich ging. Meine Eltern waren dorthin gegangen, ich hatte mich aus dem Haus geschlichen, folgte ihnen. Die Menschen waren laut, tranken Alkohol und alles war bunt. Es gab laute Musik. Mama ging tanzen und Papa holte sich Bier, sah mich nicht. Niemand sah mich. Er feierte, flirtete mit einer anderen Frau, Mama sah böse aus und verschwand. Mir war langweilig, also verschwand ich woanders hin. Die Leute sahen mich nicht, alles war auf einmal zu viel für mich, die tausend neuen Eindrücke, die auf mich einstürmten. Ich musste ich pinkeln und brauchte Ruhe. Als ich fertig war wollte ich zurück zu Papa gehen, schauen ob er mich jetzt sah, ihn nach einer Cola fragen. Das klappte nicht, in dem Gang der Toilette stand Mama. Sie sah ganz schrecklich aus, so dass ich Angst bekam. Ich wusste nicht, was los ist, weil sie gar nicht aussah wie Mama. Dann packte sie mich, dass es weh tat und sie roch komisch. Ich sah, das sie voller Blut war und hatte noch mehr Angst. Ich musste ihr die Hände waschen, die auch voll mit Blut waren. Ich sah plötzlich kurz einen Mann, der regungslos im Gang stand. Mir wurde schwindelig, ich wollte weglaufen. Sie war schneller und hielt mich am Hals fest, drehte meinen Kopf. Wir standen vor einem Spiegel und ich sah in ihre wütenden, irren Blicke im Spiegel. Sie schüttete mir ihren Drink über den Kopf. Sagte nichts aber ihre Augen waren so furchtbar. Dann würgte sie mich, immer doller und ich bekam keine Luft mehr. Ich war ganz allein, hatte Angst.

Auch wenn meine Eltern mir immer wieder sagen, ich hatte nur einen ganz, ganz schlimmen Traum gehabt. Ich weiß, dass es mehr war. Immer wieder kreisen die Worte, lustig und bizarr in meinen Kopf.

Ende

© George W. Lästerbacke